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Kontext Maker

 

Hinter Kontext steht ein interdisziplinäres Team von Expertinnen und Experten aus Design, Gestaltung, Industrie, Medien und Forschung. Das Kontext-Team bringt Impulse und Fachkompetenzen aus verschiedensten Disziplinen zusammen. So entsteht eine Momentaufnahme aus vielfältigen Perspektiven, die fundierte Themenvorschläge generiert und künftigen Ästhetiken eine Spur gibt.

Die Expertinnen und Experten des Maker-Teams sind international vernetzt und tätig. Sie zeichnen sich durch ihre prägnante eigene Arbeitsweise und langjährige internationale Erfahrung aus. Alle Maker haben mit dem Thema Trend zu tun – die jeweiligen Perspektiven, Herangehensweisen und Methoden jedoch sind sehr unterschiedlich. Genau in dieser Vielfalt liegt die Stärke dieses Think Tanks. In den Maker-Workshops werden aus den eigenen Recherchen, Trendanalysen und Intuitionen übergreifende Themen generiert. Diese bilden die Basis für alle Kontext-Aktivitäten.

 
 
 

«Trend Forecast ist heute die präzise Beobachtung und Analyse des Status quo. Es braucht den spezialisierten Blick und über den spezialisierten Blick den Filter. Zeitgeist, wissenschaftliche Prognosen, neuste Technologien und ästhetische Impulse sind für uns die Basis, von der aus wir relevante Themen und Inhalte finden.»

Evelyne Roth, kreative Leitung Kontext

 
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Martin Leuthold, Creativ Director bei Jakob Schlaepfer

Martin Leuthold ist ein Erneuerer, allein schon deshalb, weil er die Geschichte des Schweizer Textilhandwerks so gut kennt. «In 800 Jahren wurden wir acht Mal altmodisch und mussten uns wandeln.» Heute gilt es, die Tradition ins digitale Zeitalter zu führen. Martin Leuthold forscht daran, die neuen Technologien so einzusetzen, dass man sich neu erfindet.

3D-Druck etwa: Für Schlaepfer hat Martin Leuthold eine Maschine gebaut, die dreidimensional Farbe auf Stoff drucken kann, «wie aus der Tube auf den Stoff gebracht». Schaumdruck ist möglich, Lackdruck: «Aber Silikon ist das Faszinierendste, weil man damit Spitze imitieren kann.» So wird die Spitze, die als Massenprodukt ihren Luxus verloren hat, wieder neu, gegenwärtig.

Darum geht es ja in der Mode, um einen neuen Blick, ein neues Thema. Wie man das einfängt? «Wir schwingen ja auch mit», so formuliert es Martin Leuthold. Es ist klar, dass da einer spricht, der seit über 40 Jahren die internationale Modewelt beobachtet. Darüber hinaus sind Ausstellungen wichtig, zeitgenössische Kunst, ebenso Sammlungen, Bibliotheken, Archive. Genau da zeigt sich unerwartete Aktualität. «Oft wird gesagt: ‹Wozu braucht ihr 60 000 Archivstücke, behaltet doch nur die Schönsten!›, aber das ist es ja: Die Schönsten sind sie immer im Moment.»

 
 
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Patrick Reymond führt gemeinsam mit Aurel Aebi und Armand Louis das Designstudio Atelier Oï

1991 haben Patrick Reymond, Aurel Aebi und Armand Louis das Atelier Oï als multidisziplinäres Studio in La Neuveville gegründet. Am Anfang des kreativen Prozesses steht das, was die drei Gestalter als «intuitive und emotionale Interaktion mit dem Material» beschreiben: Sie erforschen seine Eigenschaften, Möglichkeiten und Affinitäten und beobachten, wie es auf äussere Einflüsse reagiert oder mit anderen Materialien in Wechselwirkung tritt.

Das Experiment ist für die Arbeitsweise des Atelier Oï essenziell. Was es ebenso auszeichnet ist die Transdisziplinarität ihrer gestalterischen Arbeit – im Zugang, aber auch in der Auswahl der Projekte: Atelier Oï gestaltet Möbel, Objekte und Räume von der Privatvilla zum Schulhaus, vom Museum bis zur Kirche.

Was erzählt ein Entwurf? Der Designer, sagt Patrick Reymond, sei oft sehr verliebt in sein Objekt. «Deshalb ist es wichtig, das Objekt in den Raum zu stellen, es in der Realität wirken zu lassen.» So kann sich der Designer von der Rolle des Akteurs in die Zuschauerrolle versetzen. Dann erst kann er die Frage beantworten, die für das Atelier Oï auch zählt: «Bringt das Objekt seine Geschichte rüber?» Storytelling also: «Dass die Form der Funktion folgt, reicht für uns nicht. Für uns muss die Form auch dem Gefühl folgen.»

 
 
 
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Cécile Feilchenfeldt, experimentelle Strickdesignerin mit eigenem Atelier in Paris, entwirft für die Haute Couture ebenso wie für die Autoindustrie

Cécile Feilchenfeldt beschreibt ihre Arbeitsweise in drei Begriffen: «experimentell, konzeptuell, visionär». Sie geht in den Dialog mit den Garnen: «Ich lasse die Materialien machen, was sie können.» Cécile Feilchenfeldt lauscht dem Material Eigenschaften ab, die man ihm bisher nicht zugetraut hat. So wird aus einem Nylonfaden ein gespinstig-zartes Gebilde zwischen Fell und Feder.

Die zentrale konzeptuelle Entscheidung ist: «Bei mir kommt alles aus der Strickmaschine.» Dabei sieht man den Entwürfen die Strickmaschine nicht an, sie könnten auch 3D-gedruckt oder lastergecuttet sein. Dieses Spannungsverhältnis interessiert Cécile Feilchenfeldt: zwischen traditionellem Handwerk in der Herstellung und einer Ästhetik, die «fast schon analytisch-medizinisch ist, molekularhaft». Sie arbeitet wie eine Forscherin, versteht die Maschine als Raster, in dem sie arbeitet. Ihre Spezialisierung sieht sie als Vorteil: «Forschung ist Spezialisierung. Genau das ist im Kommen.»

Die Vision ist ein Wurf in die Zeit. «Mich interessieren die Zyklen von: Was brauchen wir, was wollen wir, was trauen wir uns?» Die eigene Trendrecherche betreibt Cécile Feilchenfeldt intuitiv, im «Hacker-Modus», viel im Netz, sehr visuell, kaum über Trendforen. Instagram ist eine wichtige Quelle. Der Kontakt mit der nächsten Generation ist für sie zentral: «Ich will mit Leuten zusammenarbeiten, die heute noch denken, sie seien niemand, die mich aber morgen überholen werden.»

 
 
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Christian Hersche,
Modedesigner, ist Art/Image Director bei Uniqlo U

Christian Hersche, Jahrgang 1989, gehört zu der Generation, von der es gerne heisst, sie finde ihren Gegenwartsbezug nur im Netz. Für ihn stimmt das nicht. «Ich suche gerne nach Bildern, die in der Zeit vor dem Internet entstanden sind.» In Archiven, in Büchern, in Sammlungen. Für ihn geht es darum, dort zu suchen, wo nicht jeder Zugang hat. 

Seit 2015 ist Christian Hersche bei Uniqlo. Er verantwortet den gesamten Bildbereich für Uniqlo U, ein Projekt mit Christophe Lemaire. Vor seinem Modedesignstudium am Institut Mode-Design an der HGK in Basel hat er eine Grafikausbildung gemacht. Über Stationen bei Proenza Schouler, Paco Rabanne, Christian Dior und Raf Simons kam er zu Uniqlo. 

Wie bekommt er das Gespür für das Jetzt? «Ich finde die Gegenwart, eine neue Ästhetik, eher auf der Strasse, in der U-Bahn. Oder ich schaue auf das, was die Leute konkret brauchen.» Instagram und Tumblr nutzt er als Werbetools, weniger für die kreative Arbeit.

 
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Prof. Dr. René Rossi leitet den Forschungsbereich Schutz und Physiologie an der Empa und forscht im Bereich Intelligente Textilien

Prof. Dr. René Rossi arbeitet seit über 20 Jahren für die Empa, das interdisziplinäre Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und
Technologie. Er forscht daran, was über den Hautkontakt eines Textils möglich ist – im Bereich Schutzkleidung, in der Sportswear, vor allem aber in der innovativen Medikamentenabgabe.

Die Projekte sind vielfältig. Mit der Pneumologie des Kantonsspitals St. Gallen arbeitet René Rossi auf der Basis von optischen Fasern daran, das Schlaflabor nach Hause zu transportieren. Da sind Kühlsysteme für die Motorsportbekleidung. Und der Kunstrasen aus zwei Polymeren, den das Labor entwickelt hat, dessen Fasern sich wieder aufrichten und beim Ausrutschen des Sportlers keine Verbrennungen verursachen, liegt im Stadion von
Arsenal London.

Komfort ist ein wichtiger Faktor, aber auch die Ästhetik. «Design ist für die Akzeptanz extrem wichtig. Die Leute wollen die Funktion – aber sie soll schön sein und unsichtbar.» Seine Forschung steht an der Spitze der Entwicklung: «Intelligente Textilien sind ein Megatrend, und wir stehen an der Schwelle.» Smart Textiles werden im Breitensport Einzug halten. Im Bereich Medikamentenabgabe ist die Vision, die Spritze durch das Textil zu ersetzen. «Die Haut ist eine riesige Kommunikations-fläche. Wir können auf zwei Quadratmetern mit dem Körper kommunizieren.»

 
 
 

Die Industriedesigner Thilo Alex Brunner und Jörg Mettler sind Gründer von Brunner Mettler Co

Die beiden Industriedesigner Thilo Alex Brunner und Jörg Mettler haben den gleichen Zugang zum Entwurf – präzis, detailgenau, zur Sache und schnörkellos. Der «Sporty Minimalism», mit dem sie ihre Designs beschreiben, wird vielleicht nirgends so gut sichtbar wie im Laufschuh ON. In dessen Sohle garantiert die Cloudtec®-Technologie, dass der Fuss einerseits weich landet und andererseits ein starkes Abstossen begünstigt wird, also: Komfort plus Geschwindigkeit.

BMCO haben Material reduziert, das Überdekorierte der gängigen, klobigeren Laufschuhe weggelassen. Die Leitfrage war: Was muss bleiben? Es ging aber auch um die Frage: Wie entwirft man eine Ikone? Darüber hinaus gilt: «‹Funktionalität› beginnt für uns mit ‹Fun›.» Das zeigt sich in der Gestaltung der Gleitschirme, Rucksäcke und Packsäcke, die beide für Advance entwerfen, und ebenso in den visuell starken, spielerischen Store Concepts für Swatch, etwa für Sistem51, wo die Produkte in gebauten Settings inszeniert sind. Und ON ist mittlerweile um eine Kleiderkollektion erweitert.

Beide haben Industriedesign studiert und 2010 die gemeinsame Designagentur gegründet. Thilo Alex Brunner, der neben seiner Designtätigkeit einen Master an der ECAL absolviert hat, leitet dort seit 2014 den Masterstudiengang Produktdesign.

 
 
 
 

Claudia Caviezel, Textildesignerin, gestaltet Objekte für Atelier Pfister und Stoffe für die Prêt-à-Porter  

Es gibt vermutlich keine Oberfläche, die Claudia Caviezel nicht gestalten kann. Die Textildesignerin entwickelt Drucke für die Prêt-à-Porter, ihre Entwürfe für Schlaepfer waren unter anderem bei Vivienne Westwood zu sehen. Derzeit entwickelt sie für Akris, in enger Zusammenarbeit mit Albert Kriemler, Prints, Jacquards und Stickerei. Sie entwirft Teppiche und Keramik für Atelier Pfister und gestaltet textile Wandtapeten.

Für die Keramikkollektion hat die Designerin Glasur in verschiedenen Brennprozessen aufgetragen, hat gesprüht, gemalt: «Ich wollte die Struktur sichtbar machen, verschiedene Ebenen schaffen.» Als sie sich überlegt hat, wer für die Atelier-Pfister-Projekte die Zielgruppe ist, wurde ihr klar: «Ich bin meine Zielgruppe. Ich kann machen, was ich will.» Also entwirft sie mit der Frage: «Was hätte ich gern um mich?»

Claudia Caviezel arbeitet multidisziplinär, gern kollaborativ, sie schätzt es, wenn sie für die direkte Zusammenarbeit an die Produktionsstätten reisen kann. Was sie vorantreibt, ist das Neugierigsein: «Wenn man selbst gestaltet, dann kommt die Weiterentwicklung aus der Lust auf etwas Neues.» Die eigene Zeitrecherche, sagt sie, passiere unbewusst: «Ich bin interessiert am generellen Leben. Die Ideen kommen meist nicht aus dem eigenen Bereich.»

 
 
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Marcel Geser und Thomas Deutschenbaur sind die Gründer der Firma für Prototypentwicklung Development Never Stops

Der Name ist programmatisch: Wenn man Prototypen entwickelt und dabei die maximale Funktionalität ins Zentrum stellt, hört die Weiterentwicklung tatsächlich nie auf. Für DNS ist Funktionalität keine einmal definierte Grösse. Marcel Geser und Thomas Deutschenbaur entwickeln zum Beispiel für einen Kunden die Ausrüstung für drei Extrembergsteiger. Dem einen ist die Geschwindigkeit wichtig, der andere geht allein – «auch wenn der Gipfel der Gleiche ist, sind die Anforderungen an die Ausrüstung ganz andere». So detailliert, nah am Körper, nah an der Situation, arbeiten sie immer.

«Wenn wir den Funktionsauftrag verstanden haben, fangen wir an, am menschlichen Körper den Bewegungsablauf zu studieren.» Beide Gründer haben eine klassische Schneiderlehre gemacht und dieses Wissen um Schnitttechnik trifft auf ihren Adliswiler Maschinenpark: Laserschnitt, Klebetechnologien wie Heisspressen, Taping oder Ultraschallschweissverfahren.

Das Spektrum ihrer Kunden ist gross: DNS entwickelt Sportbekleidung, Fashion und Ski-Outdoor, aber auch Schutzbekleidung für die Medizin, die Polizei und das Schweizer Militär. Das Design wird meist geliefert. Wobei für DNS auch hier «form follows function» gilt: «Wenn das Design die Funktion einschränkt, wird es geändert.»

 
 

Niels Holger Wien ist Trendanalyst und derzeitiger Präsident der Intercolor

Trend Research heisst für Niels Holger Wien vor allem unterwegs sein – schliesslich will der Zeitgeist aufgespürt werden. So besteht der Alltag des Trend Analysts aus Begegnungen bei Messebesuchen und Vorträgen, Festivals und Ausstellungen. Dort fängt Niels Holger Wien gegenwärtige Entwicklungen von Farben und Materialien, Textil und Design, aber auch digitale Innovationen und Musik ein.

Es gilt, die Gesamtstimmung zu erfassen, nicht nur Einzelentwicklungen. Nur dann lässt sich aus Momentaufnahmen und aufgespürten Artefakten ein Zukunftsbild deuten. «Einen Trend kann man nicht erfinden. Er kann nur zum Trend werden, wenn er auf eine entsprechende Stimmung trifft.» So gilt für Niels Holger Wien: «Es gibt nichts, was mich nicht interessiert.» Es ist der Wandel, der ihn anzieht. Seine Passion sind Farben, Materialien und deren Kommunikation.

Der Austausch ist auch deshalb zentral, weil im digitalen Zeitalter aus kleinen Styling-Trends rasant grosse Trends werden können. So versteht sich Niels Holger Wien, der an der «Royal Academy of Fine Arts» in Antwerpen Modedesign studiert hat, vor allem als Vernetzer von Ideen. Er ist langjähriger Trendanalyst bei Swiss Textiles, berät unter anderem auch das Deutsche Mode-Institut und ist derzeitiger Präsident der Intercolor. 

 
 
 

Katrin Kruse ist freie Autorin und Dozentin für Theorie und Konzept an der Hochschule für Kunst und Gestaltung FHNW Basel

Lebendiges Denken interessiert sie. Für Katrin Kruse bedeutet das: Konzeptualisierung plus Intuition. Texte, sagt sie, können eine Anleitung zum Sehen sein, weil eine genaue Beschreibung den Blick lenken kann. «Wir sehen oft nur das, was wir benennen können – und wenn wir die Dinge anders benennen, sehen wir sie neu.» Ihre Prämisse ist: Sprache ist performativ, sie stellt etwas her.

Katrin Kruse hat in Berlin Kulturwissenschaften studiert. Sie war Modekolumnistin der taz und Stilredakteurin der NZZ am Sonntag. Sie schreibt über Mode, weil sie der Zeitgeist interessiert: «Mode ist für mich eine Geschichte, die sich eine Zeit über sich selbst erzählt.» Phänomene lassen sich als Symptome gesellschaftlicher Veränderung lesen. Vor allem sind für sie Diskurse wichtig: «In welchen Begriffen sprechen wir über die Dinge, was halten wir für ein gutes Leben?» Es ist das Hin und Her zwischen Überbau und Konkretion, das sie an Trendforschung reizt – Muster, die sich zeigen, die innere Dynamik von Entwicklungen. Sie wäre ungern ohne den Perlentaucher und ohne das Daily Briefing der New York Times.

Katrin Kruse ist freie Autorin, Dozentin für Modetheorie und Konzept am Institut Mode-Design der Hochschule für Kunst und Gestaltung FHNW in Basel und Gastdozentin für Trendforschung an der Zürcher Hochschule der Künste.

 
 
 
 

Matthias Fürst ist Grafikdesigner und führt gemeinsam mit Karin Wüthrich das Modelabel WUETHRICHFUERST

«Ich glaube, als Designer ist es meine Pflicht, das Aktuelle anzuzweifeln und mit meinen Möglichkeiten zu verschieben.» Matthias Fürst hat Grafikdesign studiert und dann gemeinsam mit Karin Wüthrich einen interdisziplinär ausgerichteten Master in Fashion Design an der HGK in Basel gemacht. Nach dem Studium haben die beiden 2015 ihr Modelabel WUETHRICHFUERST gegründet. Seither verschieben sie dort die Grenzen von dem, was unter dem Begriff Fashion möglich ist. Etwa: Wann ist ein Accessoire ein Objekt? Wann ein Objekt ein Artefakt?

Seine Zeitgeistanalyse speist sich aus «vielerlei Feeds, Blogs und Newsletters». Aber auch News sind dabei, aus Politik, Gesellschaft, Sport – designferne Sparten, die aber Zeitgeist und gesellschaftliche Aktualität abbilden. «Rock, Pop, elektronische Musik sind der Gegenwart oft voraus, und bisweilen ist der Rückblick auf Vergangenes wichtig, auf Filmausstattungen etwa, um Anhaltspunkte zu möglichen Jetzt- und Dann-Zuständen zu geben.»

Matthias Fürsts Wurzeln im Grafik- und Kommunikationsdesign sind dabei immer erkennbar. Es ist die Freude am subtilen Vermitteln von Botschaften: «Auch bei meinen grafischen Projekten spielt als Ursprung das Wort, der Satz oder die Frage eine zentrale Rolle.»

 
 
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EVELYNE ROTH VERANTWORTET
ALS KREATIVE LEITUNG VON
KONTEXT DIE TRENDANALYSE

Evelyne Roth hat die Perspektive einer forschenden Modedesignerin. Angewandtes Forecasting heisst für sie, die Trendprognosen konkret auf den Designprozess zu beziehen. So hat sie etwa mit der eigenen Kollektion Portenier Roth eine Produktionsstätte in Thun aufgebaut. Dort war die Frage zentral: Wie lässt sich die Kreativität und die ästhetische Qualität des Designs bis zum Schluss des Produktionsprozesses bewahren?

Für sie als Gestalterin ist der Begriff Trend ambivalent – so, wie er klassischerweise verstanden wird. «Als Gestalterin geht man gegen das, was schon gesehen und diskutiert ist. Es muss ein gewisses Abenteuer dabei sein. Die eigene Arbeit setzt ja einen Wink in die Zukunft.» Zudem: Der kreative Prozess ist nicht vollständig planbar, und die soziokulturellen Faktoren kommen noch dazu. «Geschlossene Trendvorgaben sind für mich deshalb passé. Sie verbleiben zu sehr im Moment.»

Trendrecherche fängt für Evelyne Roth damit an, sehr klar informiert zu sein über Design, Kunst, Film, Musik, Performance. «Die Recherchen grosser Trendmagazine sind Eckpfeiler. Aber das, was mich neugierig macht, sind die eigenen Fundstücke.» Die Ganzheitlichkeit der Entstehung einer Arbeit interessiert sie, das Umfeld, der Gedanke dahinter, die Positionierung, das Verortetsein im Jetzt. Mit diesem Blick filtert sie auch die Trendprognosen. Evelyne Roth ist Dozentin am Institut Mode-Design und am Institut für Ästhetische Praxis der Hochschule für Kunst und Gestaltung FHNW in Basel.

 

Intercolor

Die Intercolor ist ein wichtiger Moment der Recherche und des Austausches für die Kontext Maker. Am Puls der Zeit zu sein heisst, so dicht und konkret wie möglich gegenwärtige Entwicklungen aufzuspüren – durchaus auch regional, auf spezifische Marktsituationen und Länder bezogen. Die Intercolor mit ihren zwei Mal jährlich stattfindenden Kongressen ist ein Forum des interkulturellen Austausches mit dem Schwerpunktthema Design, mit der Besonderheit, dass es eine geschlossene, exklusive Plattform ist, deren Analysen nur den Mitgliedern zugänglich sind. Swiss Textiles gehört mit Frankreich und Japan zu den Gründungsmitgliedern und nimmt seit 52 Jahren an diesem internationalen Austausch teil.

An der Tagung präsentieren die Intercolor-Mitglieder Zeitgeistimpulse und Inspirationen aus ihren Ländern. Im Color-Workshop werden die diversen Farbwelten nach gemeinsamen Bezügen und Parallelen untersucht. So gelingt es, übergreifende Impulse zu filtern und Themen und Farben zu setzen. Dieses Proposal ist das Endresultat: Es dient allen Mitgliedern als Inspiration und Spiegel für ihre jeweiligen Arbeiten und zur Überprüfung der Relevanz der eigenen Themen.

Zu den 15 Mitgliedern von Intercolor gehören: China, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Portugal, Schweiz, Spanien, Südkorea, Thailand, Türkei, Ungarn und die USA.

www.intercolor.nu ⟶

Die Intercolor verfügt über ein einzigartiges Netzwerk von Persönlichkeiten. Dazu gehören:

 
 
 

Tohru Ohzeki und Kahoru Ohsawa, Tokio
Japan Fashion Color Association - JAFCA

Tohru Ohzeki ist der Gründer der Research-Firma Jafca, die sich auf Technologieforschung im Bereich Textil für die Autoindustrie spezialisiert hat. Gemeinsam mit seiner Nachfolgerin Kahoru Ohsawa berät Ohzeki unter anderem Toyota in Bezug auf Farbe und Materialität.

www.jafca.org ⟶

 

Ümit Ural, Istanbul
34Color.IST

Der Designer, tief verwoben mit der Kunst- und Kreativszene der Stadt, verbindet Mode und Performance und schlägt cross disziplinäre Verbindungen zur Kunst.

www.umitunal.com ⟶

 

Ornella Bignami, Milano
Color Coloris - Italian Color Insight

Ornella Bignami ist die «grande dame» des experimentellen Stricks. Ohne Übertreibung: In ihr ist die Geschichte der Mode ebenso personifiziert wie die Geschichte der Industrie. In ihrem eigenen Studio arbeitet Ornella Bignami an der Zukunft des experimentellen Stricks, der von ihr gegründete Strick-Award unterstützt den Nachwuchs. 

www.elementimoda.com/index_eng.asp ⟶

www.elementimoda.com/profilo_eng.asp ⟶

 

Olivier Guillemin, Paris
Comité français de la couleur

Olivier Guillemin war Chefdesigner für Paco Rabane und Teil des Designteams von Azzedine Alaïa. Heute zeichnet er verantwortlich für die Farbigkeit bei Shiseido Make-up – und bringt beide Welten, Mode und Beauty, Kleid und Lipstick, in seinen inszenierten Fashion-Performances und -Installationen zusammen.

www.ooparis.fr ⟶